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55 (Fun)Facts über Lerntherapie bei LRS oder Rechenschwäche

Das gibt sich schon noch.“ – diesen Satz hören Eltern von Kindern mit LRS oder Rechenschwäche immer wieder. Aber stimmt er überhaupt? Rund um Lerntherapie ranken sich viele Annahmen, die sich beim genaueren Blick als Mythos entpuppen. Deshalb habe ich hier für dich 55 spannende Fakten rund um Lerntherapie bei LRS und Rechenschwäche gesammelt. Weil Fakten allein aber selten hängenbleiben, habe ich meine Kolleginnen aus dem Lerntherapeutennetzwerk nach ihren Erfahrungen gefragt. Herausgekommen sind kleine Geschichten, Aha-Momente und Einblicke in das, was wir in unserer täglichen Arbeit tatsächlich erleben.

Viel Spaß beim Lesen und beim einen oder anderen „Das wusste ich ja noch gar nicht!“

Sabine Landua

Wer schreibt hier? Ich bin Sabine Landua, Lerntherapeutin und Lerncoach in Niedersachsen. In meiner Praxis Wortsalat & Zahlenmix arbeite ich mit Schülern und Lernern bis ins Erwachsenenalter daran, das Lesen, Schreiben und Rechnen, aber auch das Lernen im Allgemeinen besser zu meistern. Seit 2022 bin ich Mitglied im Lerntherapeutennetzwerk. Gemeinsam arbeiten wir daran, Lerntherapie bekannter zu machen und über Lernstörungen aufzuklären.

Die häufigsten Irrtümer über LRS und Rechenschwäche

  1. Eine LRS oder Rechenschwäche wächst sich nicht aus. Tatsächlich werden die Schwierigkeiten in der Regel größer.
  2. Bei LRS oder Rechenschwäche fehlen häufig die Basiskompetenzen, d.h. ein tragfähiges Fundament damit ein Weiterlernen möglich ist.
  3. Basiskompetenzen sind z.B. das Zählen und die Mengenvorstellung oder das Finden von Reimen und Silben oder das Heraushören von einzelnen Lauten.
  4. Häufig hören wir, dass eine Lernschwäche „sowieso erst ab der 3. Klasse festgestellt werden kann.“ Das stimmt nicht. Tatsächlich können Lernschwierigkeiten bereits frühzeitig erkannt werden, wenn man genau hinschaut. Je früher dann eine Lerntherapie beginnt, umso besser, denn abwarten ist keine Lösung.
  5. Auch „mehr üben“ hilft bei LRS und Rechenschwäche nur, wenn genau an der richtigen Stelle geübt wird, nämlich nicht, was in der Schule gerade bearbeitet wird, sondern wo das Kind oder der Jugendlichen tatsächlich gerade steht. Weitere Irrtümer über LRS und Rechenschschwäche findest du in unserem Artikel 7 Mythen über Lerntherapie bei LRS und Rechenschwäche – und was wirklich stimmt.

Der richtige Zeitpunkt – warum früh hinschauen sich lohnt

  1. Wird bereits zu Schulbeginn deutlich, dass ein Kind Schwierigkeiten beim Lernen hat, ist es sinnvoll, sich von einem Lerntherapeuten beraten zu lassen. Dieser kann fachlich einordnen, ob lerntherapeutische Unterstützung nötig ist.
  2. Lerntherapeuten können auch präventiv arbeiten, so dass eine Lernschwäche gar nicht erst entsteht. So können z.B. Kinder zu Beginn der 1. Klasse oder Kindergartenkinder als Vorbereitung auf die Schule sinnvoll begleitet werden.
    „Je früher festgestellt wird, ob einem Kind die Vorläuferfähigkeiten um Mathe zu lernen, fehlen, desto kürzer kann die Lerntherapie dauern, da das Kind nicht soviel umlernen muss.“ (Barbara Elzer)
    „In einer der Schulen, an denen ich arbeite, habe ich Erstklässler bereits nach den ersten Wochen Schule in Kleingruppen gefördert, denn Rechenschwierigkeiten sind kein individuelles Versagen, sondern ein gemeinsamer Auftrag von Schule, Eltern und Lerntherapeuten.“ (Susanne Seyfried)
  3. Auch mit Risikokindern kann präventiv gearbeitet werden. Das sind zum Beispiel Kinder, deren Geschwister oder Eltern von einer Lernstörung betroffen sind.
  4. Je später eine Lerntherapie beginnt, desto größer sind die bereits entstandenen Schwierigkeiten. Häufig leidet auch das Selbstwertgefühl, weil Kinder viele schlechte Erfahrungen in der Schule gemacht haben. Sie haben trotz Übens keine Erfolge und denken dann, dass sie dumm sind.
    „In der Lerntherapie arbeite ich gerne mit einem „Das-bin-ich-Blatt“. Darauf sammelt das Kind, was es gut kann und welche Unterstützung es in seinem Umfeld hat – zum Beispiel durch Familie, Freunde oder auch Tiere. Im Verlauf der Therapie wird das Blatt immer wieder ergänzt und angepasst, sodass nach und nach eine ganze Sammlung von Helfern, Stärken und positiven Erfahrungen entsteht. So wird für das Kind sichtbar: Ich bin nicht allein, ich kann vieles und ich habe Menschen und Dinge, die mich stärken. Am Ende der Therapie ist das Blatt voll – und oft ist auch der Blick auf sich selbst ein anderer.“ (Michaela Zieglmeier)
  5. Auch wenn bei LRS und Rechenschwäche die Basiskompetenzen betroffen sind, ist Lerntherapie nicht nur für Schüler relevant. Tatsächlich kann eine Lerntherapie in jedem Alter gestartet werden und Fortschritte ermöglichen. Auch für Erwachsene ist eine Lerntherapie noch sinnvoll.
  6. LRS und Rechenschwäche kommen gar nicht so selten vor. Etwa 5 bis 8 % eines Jahrgangs sind betroffen. Das bedeutet, das in jeder Klasse vermutlich mindestens ein Kind mit einer Lernstörung sitzt. Dein Kind ist also mit seinen Schwierigkeiten nicht allein.
  7. Eine Lese-, Rechtschreib- oder Rechenstörung kann einzeln oder auch gemeinsam auftreten. Manchmal treten zusätzlich auch Konzentrationsprobleme auf.
  8. Wissenschaftler sind noch dabei, die Ursachen zu erforschen. Sicher ist aber, dass eine LRS oder Rechenschwäche genetisch bedingt sein kann, d.h. sind Eltern oder Geschwisterkinder betroffen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Kind eine LRS oder Rechenschwäche entwickelt.
  9. Wird die Lernumgebung aber optimal gestaltet, können Schwierigkeiten vermieden werden. So können guter Unterricht und gute Schulbücher dazu beitragen, dass alle Schüler mitkommen. Eine Einschätzung für dein Erstklassmathebuch kannst du mithilfe meiner Checkliste durchführen.
Lerntherapie in der Schule gelingt am besten in Kleingruppen und spielerisch

Was Lerntherapie ist und wie ein Nachteilsaugleich hilft

  1. Schulisches Lernen kann man sich wie ein Haus vorstellen. Während guter Unterricht alle Schüler abholt und für ein sicheres Fundament sorgt, findet schulisches Lernen meist jedoch im Dach statt. Fehlt das Fundament, stürzt das Gebäude ein. Eine Lerntherapie kann dieses sichere Fundament schaffen.
  2. Viele Familien versuchen es oft zunächst mit Nachhilfe, weil diese bekannter und auch günstiger ist. Bei Lernschwierigkeiten führt das in der Regel aber zu keinem Erfolg, denn Nachhilfe arbeitet an den schulischen Lerninhalten, im Dach sozusagen. Das Lernfundament bleibt weiter brüchig.
  3. Deshalb ist Lerntherapie auch kein Turbo-Programm für bessere Noten. Bis sich Fortschritte in Zensuren zeigen, vergeht meist mindestens ein Jahr. Erfolge im Persönlichkeitsbereich sind oft viel früher sichtbar. Schüler lernen mit ihrer Schwäche umzugehen, werden selbstbewusster und sich ihrer Stärken bewusst. Warum Lerntherapie so wertvoll ist, haben wir in einem weiteren Artikel zusammengefasst. Hier kommen auch unsere Schüler und ihre Eltern zu Wort.
  4. Ein Nachteilsausgleich kann Schülern dabei helfen, diese Schritte gehen zu und am schulischen Lernen teilhaben zu können. Oft reicht allein die Gewissheit, bei Klassenarbeiten mehr Zeit zu haben, damit Schüler ihr Wissen besser abrufen können.
  5. Ob und in welchem Umfang ein Nachteilsausgleich bei LRS und Rechenschwäche gewährt wird, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Eine Übersicht findest du hier: Nachteilsausgleich verständlich erklärt.
  6. Ein Nachteilsausgleich ist immer nur eine befristete Möglichkeit der Unterstützung. Die Maßnahmen müssen von den Lehrkräften regelmäßig überprüft werden. 
  7. Ein Nachteilsausgleich ist nur sinnvoll, wenn die Maßnahmen für das jeweilige Kind auch wirksam sind. Ist das nicht der Fall, muss der Nachteilsausgleich individuell angepasst werden. 
    „Ich hatte einmal zwei Schüler aus derselben Klasse mit LRS und sie hatten unterschiedliche Nachteilsausgleiche, da sie andere Bedürfnisse hatten.“ (Barbara Wenning)
  8. Als Lerntherapeuten haben wir das ganze Kind im Blick. Manchmal ist es daher besser eine Lerntherapie vorzeitig zu beenden, weil für das Kind im Moment eine andere Maßnahme besser ist.
  9. Lerntherapie ist keine Nachhilfe. Natürlich arbeiten wir an den fachlichen Inhalten, aber auch daran, die eigenen Stärken besser zu sehen und die eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Lerntherapie ist individuell, wirksam und nachhaltig.
  10. Die Arbeit daran ist kein „Nice-to-have“, vielmehr ist Selbstwirksamkeit ein echter Schutzfaktor. Studien wie die BELLA-Studie zeigen, dass Kinder, die sich als handlungsfähig erleben, seltener psychische Belastungen entwickeln (weniger Angststörungen, weniger depressive Verstimmungen, mehr Resilienz).
  11. Um Selbstwirksamkeit zu erfahren, ist es wichtig einen Überblick über das zu Lernende zu haben und sich selbst immer wieder kleine Ziele zu setzen.
    „Mit meinen Schülern mache ich deshalb jede Stunde einen „Check-In“, in dem sie sich ein Ziel für die nächsten 30 Minuten setzen. Am Ende der Stunde schauen, wir, wie es gelaufen ist und ob sie ihr Ziel erreicht haben. So kommen wir auch ins Gespräch darüber, was eigentlich gute Ziele sind.“ (Sabine Landua)
  12. Lerntherapie ist keine Dauerbegleitung. Vielmehr arbeiten wir nach dem Grundsatz: so lange wie nötig, so kurz wie möglich. Lerntherapie wirkt nachhaltig, weil sie wichtige Grundlagen schafft. 
  13. Die Entwicklung verläuft aber selten linear, vielmehr sind Fortschritte, aber immer mal wieder auch kleine Rückschritte sichtbar. Damit Schüler sehen, wie sie vorankommen, machen wir die Fortschritte sichtbar.
    „Entwicklungsschritte stelle ich zum Beispiel als Treppenstufen dar oder ordne sie auf einer Skala ein. Zu Beginn steht das Kind bei manchen Fähigkeiten vielleicht noch ganz unten oder schätzt sich selbst sehr niedrig ein. Im Verlauf der Lerntherapie schauen wir immer wieder gemeinsam, was sich bereits verändert hat und welche Schritte gelungen sind. Manchmal geht es auch noch einmal eine Stufe nach unten, bevor der Weg weiter nach oben führt – und das ist völlig in Ordnung. Lernen verläuft nicht immer geradlinig.“ (Michaela Zieglmeier)
  14. Wir richten den Blick auf das Positive und suchen deshalb regelmäßig nach „Konfetti-Momenten“ – Dinge, die gut gelaufen sind, wo das Kind oder der Jugendliche etwas geschafft hat, was es vorher noch nicht konnte und worauf es stolz ist. Diese Momente sammeln wir in einem „Konfetti-Glas“.
    „Ein Therapiekind von mir fand es am Anfang sehr schwer, Positives in ihrem Alltag zu finden. Das „Konfetti-Glas“, das bei mir „Glücksglas“ heißt, war ihr eine große Hilfe und hat dafür gesorgt, dass ihr Selbstwertgefühl sich stetig verbessert hat.“ (Barbara Elzer)
  15. Lerntherapie ist auch keine „Reparaturmaßnahme“. Die Lerntherapie endet nicht erst, wenn das Kind oder der Jugendlich alles perfekt kann. Am Ende steht kein „repariertes Kind“, sondern eines, das wieder alleine weiterlernen kann.
    „Eines meiner Therapiekinder hat mal zu mir gesagt: Seitdem ich zu Ihnen komme, denke ich irgendwie mehr nach!““ (Barbara Elzer)
    „Ein Lerntherapiekind meinte mal zu mir: „Irgendwie haben Sie was mit meinem Gehirn gemacht. Vorher war ich immer so 😱, wenn ich eine Rechenaufgabe gesehen habe, und jetzt geht es einfach gleich rechnen, rechnen, rechnen und zack.““ (Anna Horn)
  16. Manchmal kommen Schüler Jahre nach Ende der Lerntherapie noch einmal wieder. Entweder, weil dann andere Dinge relevant sind oder sie bereit sind, sich Herausforderungen zu stellen, für die sie früher noch keine Energie hatten. 
    „Ich habe immer wieder Schüler, die in der 8. oder 9. Klasse noch einmal wiederkommen. Oft waren sie bis zum Ende der Grundschule oder bis zur 6. Klasse bei mir. Später kommen sie dann nochmal, weil sie ein konkretes Ziel vor Augen haben, dass sie erreichen möchten, z.B. kam ein Schüler, um seine Rechtschreibung zu verbessern, damit er in der Oberstufe bessere Voraussetzungen hatte und eine andere Schülerin wollte in der 8. Klasse unbedingt die analoge Uhr lernen, damit sie endlich die Uhr in der Pausenhalle lesen konnte.“ (Sabine Landua)
Was Schüler zu Lerntherapie sagen
Was ist Lerntherapie
Lerntherapie aus Schülersicht

Diagnose, Qualität und Kosten – was du wissen solltest 

  1. Lerntherapie ist rechtlich gesehen keine Heilkunde und keine Psychotherapie. Sie ist eine pädagogisch-psychologische Förderung und daher eine Leistung, die nicht von den Krankenkassen übernommen wird.
  2. Lerntherapeuten stellen keine Diagnose, sondern erstellen ein pädagogisches Gutachten, in dem festgehalten wird, wo das Kind gerade steht und welche Förderschwerpunkte bestehen. Daraus entsteht dann der individuelle Förderplan.
  3. Die Diagnose LRS oder Rechenschwäche darf in Deutschland nur ein Kinder- und Jugendpsychologe oder -psychiater ausstellen. Dieser ermittelt in der Regel aber keine Förderschwerpunkte.
  4. „Lerntherapeut“ ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung. Jeder darf sich so nennen, ganz unabhängig von Ausbildung oder Qualifikation. In Österreich gibt es dagegen klare Vorgaben. Für dich als Elternteil bedeutet das: Informiere dich über die Person, die Lerntherapie anbietet und frag nach der Qualifikation. Im Lerntherapeutennetzwerk findest du eine Reihe qualifizierter Lerntherapeutinnen.
  5. Viele Lerntherapeuten waren vorher Lehrkräfte oder im pädagogischen Bereich tätig, aber auch aus anderen Berufsfeldern kann man in die Lerntherapie wechseln. Eine fundierte Ausbildung im Bereich Lerntherapie legt die Grundlage für hochwertige Lerntherapie. Zwei ganz persönliche Wege in die Lerntherapie kannst du hier nachlesen.
  6. Als Lerntherapeutin qualifizieren kann man sich durch Kurse namhafter Anbieter oder auch durch ein Bachelor- oder Masterstudium. Gemeinsam haben alle Ausbildungen, dass sie über mehrere Jahre gehen. Ein Wochenendkurs reicht nicht aus.
  7. Auch nach der Ausbildung ist eine kontinuierliche Weiterbildung wichtig, um wissenschaftlich immer auf dem neusten Stand zu sein. LRS und Rechenschwäche sind immer noch nicht umfassend erforscht und so ergeben sich immer neue Erkenntnisse. 
  8. Neben der Weiterbildung ist die Teilnahme an Supervision ein Qualitätsmerkmal von guten Lerntherapeuten. Dadurch hinterfragen sie ihre Rolle und ihr Handeln im beruflichen Kontext und entwickeln sich weiter. Supervision bringt einen echten Mehrwert!
  9. Unter bestimmten Umständen kann eine Lerntherapie über die wirtschaftliche Jugendhilfe als Wiedereingliederungsmaßnahme übernommen werden. Die Kosten werden dann, unabhängig vom Einkommen der Eltern, vom Jugendamt übernommen, damit das Kind wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann.
  10. Voraussetzung für die Kostenübernahme ist nämlich, dass die Teilhabe des Kindes gefährdet ist. Zusätzlich muss ein ärztliches Gutachten mit der Diagnose einer Lernstörung vorliegen. Ist dies der Fall, kann ein Antrag auf Wiedereingliederungshilfe beim zuständigen Jugendamt gestellt werden. 
  11. Eine privat finanzierte Lerntherapie ist auch ohne ärztliches Gutachten möglich. Zu Beginn wird die Lerntherapeutin in einer pädagogischen Diagnostik den Leistungsstand des Kindes feststellen und Förderschwerpunkte festlegen. Anschließend kann die Förderung beginnen.
    „Eine gute pädagogische Diagnostik zeigt nicht nur, wo ein Kind Schwierigkeiten hat, sondern hilft zu verstehen, warum diese entstehen. Genau dieses Verstehen ist für mich die Grundlage jeder Förderung. Erst wenn ich weiß, wie ein Kind lernt und denkt, kann ich die Förderung wirklich individuell gestalten.“ (Nicole Zwiener)
Supervision ist unsere Stärkung

Online-Lerntherapie – ortsunabhängig und alltagstauglich

  1. Lerntherapie kann auch online durchgeführt werden. Vor der Corona-Pandemie war das für die meisten von uns unvorstellbar, jetzt wird es von vielen Familien aktiv nachgefragt.
  2. Eine Online-Lerntherapie ist ortsunabhängig. So könne auch Schüler, die vor Ort keine passende Lerntherapie finden, unterstützt werden, z.B. auch deutschsprachige Familien aus dem Ausland.
    „Ich habe z.B. eine Schülerin aus Norwegen, die dort mit ihrer deutschen Familie lebt. Auch aus Belarus hat sich mal eine Schülerin zur Lerntherapie eingeloggt, als sie 4 Wochen bei ihrer Oma im Urlaub war.“ (Sabine Landua)
  3. Studien bestätigen, dass Online-Lerntherapie genauso erfolgreich sein kann wie eine Lerntherapie in Präsenz (Verwimp et al., 2024). Entscheidend ist eben nicht das Setting, sondern die Qualität der Durchführung.
  4. Für viele Familien bedeutet eine Online-Lerntherapie schlicht weniger Stress: die Fahrzeiten fallen weg und die Termine lassen sich leichter in den Alltag integrieren.
  5. Online-Lerntherapie bedeutet nicht, dass alles digital stattfindet. 
    „Ich schicke meinen Online-Schülern z.B. regelmäßig eine Mappe mit Materialien. Das sind z.B. ausgedruckte Arbeitsblätter, aber auch Legematerialien oder Spiele. Ich finde es wichtig, dass meine Schüler auch zuhause aktiv handeln können und ihre Handschrift trainieren.“ (Sabine Landua)
  6. Viele Spiele lassen sich mit geringer Anpassung auch in der Online-Umgebung spielen. Was nicht gut geht, sind Kartenspiele, bei denen man mehr als drei Karten auf der Hand hat, denn bis drei Karten kann ich sie unter der Dokumentenkamera anzeigen. 
    „Für Würfelspiele nutze ich onlinewuerfel.de. So sehen alle dasselbe Ergebnis und Schummeln ist ausgeschlossen. 😉 Auch mit der digitalen Schüttelbox lassen sich Mengen und Zahlzerlegungen online anschaulich und spielerisch entdecken.“ (Susanne Seyfried)
Austausch und Materialvorstellung bei unserem Treffen in Freiburg

Wie Lerntherapie im Alltag aussieht

  1. „Heute haben wir nur gespielt“ – das hören wir oft, wenn Kinder ihren Eltern berichten, was wir in der Lerntherapie gemacht haben. Tatsächlich sind Spiele ein wesentliches Element: Sie machen Spaß und das Lernen geschieht quasi „nebenbei“.
    „Ein Vater bat mich mal um ein Elterngespräch: seine Tochter habe erzählt, dass wir sehr häufig spielen. Er würde viel Geld bezahlen, wie kann das also sein? Ich habe ihm daraufhin die Spiele, die wir spielen gezeigt und erklärt. Er war überrascht und sehr beeindruckt, dass seine Tochter die Spiele, in denen man letztendlich von 0 bis 100 hoch und runter rechnet, tatsächlich schafft und auch gerne spielt. Das Thema kam danach nie wieder auf und die Familie war sehr zufrieden mit den Fortschritten :)“ (Anna Horn)
    „Viele Kinder kommen mit dem Gefühl in die Lerntherapie, dass Lernen anstrengend sein muss. Wenn sie beim Spielen plötzlich merken, dass sie ganz nebenbei erfolgreich lernen, verändert sich oft ihre Einstellung. Für mich sind Spiele deshalb weit mehr als Motivation. Sie schaffen Vertrauen, nehmen Leistungsdruck und eröffnen Kindern einen neuen Zugang zum Lernen.“ (Nicole Zwiener)
  2. Auch vergeht die Zeit in der Lerntherapie dann ganz schnell. Immer wieder fragen uns Schüler, ob die Zeit wirklich schon vorbei ist.
    „Ein Kind meinte nach den ersten Stunden zu den Eltern: „Kann ich nicht jeden Tag zur Lerntherapie und dafür nur einmal die Woche in die Schule gehen? Da lerne ich viel mehr und es macht Spaß!“ (Nicole Gerbatsch)
  3. Was Lerntherapie eigentlich ist, klären wir mit unseren Schülern zu Beginn der Lerntherapie mithilfe der Lerntherapie-Entdeckerkiste. Für die Online-Lerntherapie hat Susanne Seyfried daraus eine digitale Variante entwickelt. Darin befinden sich verschiedene Gegenstände, die symbolisieren, was wir in der Lerntherapie machen und was uns wichtig ist.
    „Beim Durchsehen der Gegenstände in meiner Lerntherapie-Entdeckerkiste werden die Augen meiner neuen Schüler immer ganz groß. Was hat eine Leiter wohl mit Lerntherapie zu tun? Oder der Spiegel? Dabei entstehen immer ganz tolle Gespräche, in denen wir gemeinsam überlegen und uns dem Thema „Lerntherapie“ annähern. Ein wunderbarer Einstieg zu Beginn einer Lerntherapie.“ (Sabine Landua)
Verschiedene Gegenstände in der Entdeckerkiste
Lerntherapie-Entdeckerkiste mit vielen kleinen Gegenständen
Zeichnung Lerntherapie-Entdeckerkiste mit Sanduhr, Lupe, Würfel, Leiter und weiteren Elementen
Die von Susanne Seyfried entwickelte Entdeckerkiste gibt es auch in der digitalen Variante
  1. Für Gespräche verwenden wir auch häufig das Bild des „Erfolgstuhls“: Man sitzt nur stabil, kann also nur Erfolg haben, wenn alle vier Beine tragen – Kind, Eltern, Schule und Lerntherapie. Knickt eines der Stuhlbeine ab, weil keine Unterstützung da ist, wird es wackelig.
  2. Schule und Lerntherapie stehen nicht in Konkurrenz, vielmehr haben sie unterschiedliche Schwerpunkte und Ressourcen. Arbeiten Lehrkräfte und Lerntherapeuten Hand in Hand, können sich Kinder und Jugendliche besser entwickeln und ihre Potenziale entfalten. Tolle Beispiele, wie schulische Unterstützung bei LRS aussehen kann, findest du in diesem Beitrag.
    „Als Lehrerin weiß ich, wie herausfordernd der Schulalltag sein kann. Umso wichtiger ist für mich der Austausch mit den Lehrkräften. Oft verändert sich schon viel, wenn wir gemeinsam verstehen, was hinter den Schwierigkeiten eines Kindes steckt. Das Verhalten bzw. die Schwierigkeit als Ausdruck sehen zu lernen und nicht als etwas bewusst gegen den Erwachsenen gerichtet. Aus diesem gegenseitigen Verständnis entstehen Ideen, von denen das Kind am meisten profitiert.“ (Nicole Zwiener)
    „Ein schönes Beispiel aus meiner Praxis zeigt, was möglich wird, wenn eine Lehrkraft mit im Boot ist: Ein Kind mit Dyskalkulie besuchte die 5. Klasse einer Realschule. Gemeinsam wurde überlegt, wie es seine Fähigkeiten zusätzlich zeigen und seine Mathematiknote verbessern könnte. Am Ende des Schuljahres hielt das Kind eine mündliche Präsentation und erhielt dafür eine 1 – die erste Eins in Mathematik überhaupt. Dadurch verbesserte es sich um eine ganze Note. Noch wichtiger war jedoch die neue Erfahrung: „Wow, auch ich kann in Mathe eine gute Note bekommen.““ (Michaela Zieglmeier)
  3. In vielen Bundesländern arbeiten Lerntherapeuten bereits an Schulen. Im Rahmen der multiprofessionellen Teams erhalten Schüler dann Unterstützung, wenn es nötig ist. Sie müssen nicht auf einen Therapieplatz warten und zusätzliche Zeit nach der Schule investieren.
    Auch aus unserem Netzwerk sind eine Reihe von Kolleginnen an Schulen tätig.
    Lerntherapie an Schule ist dabei nicht nur auf Grundschulen beschränkt. Ich arbeite u.a. auch an einer beruflichen Schule und unterstütze dort die Gärtner-Azubis. Dort bin ich im engen Austausch mit den Lehrkräften und den Ausbildungsbetrieben, um Lernlücken aufzuarbeiten, passende Strategien zu entwickeln und ihren Schul- oder Ausbildungsweg erfolgreich weiterzugehen“. (Susanne Seyfried)
    „Ich wünsche mir, dass Lerntherapie und Schule noch enger zusammenarbeiten. Wenn Lerntherapeuten, Lehrkräfte und Eltern ihre unterschiedlichen Perspektiven zusammenbringen, entsteht ein umfassenderes Bild vom Kind. Genau daraus entwickeln sich oft die nachhaltigsten Lösungen.“ (Nicole Zwiener)
  4. Lerntherapeuten beraten und unterstützen nicht nur in Schulen. Viele von uns halten auch Vorträge, z.B. in Büchereien und beraten Eltern, wie sie ihre Kinder unterstützen können. 
    „In Gesprächen mit Eltern und Lehrkräften erlebe ich immer wieder, wie entlastend Wissen sein kann. Gerade bei Kindern mit ADHS, PDA oder anderen Formen der Neurodivergenz verändert sich oft schon viel, wenn verstanden wird, dass ihr Verhalten selten gegen andere gerichtet ist. Häufig ist es Ausdruck von Überforderung oder eines Nervensystems, das anders arbeitet. Dieses Verständnis ersetzt keine Grenzen, verändert aber den Blick auf das Kind. Und genau dieser neue Blick schafft oft die Grundlage dafür, gemeinsam passende Wege zu finden.“ (Nicole Zwiener)
  5. Einige von uns bloggen mit Begeisterung – auch gemeinsam im Lerntherapeutennetzwerk. Denn unsere Blogs tragen dazu bei, dass wir über Lerntherapie bei LRS und Rechenschwäche aufklären und sich Eltern unabhängig und kostenfrei informieren können.  

Mehr aus dem Lerntherapeutennetzwerk lesen

Lerntherapie ist vielfältig und genauso vielfältig sind die Schwerpunkte und Erfahrungen in unserem Lerntherapeutennetzwerk. Uns verbindet der Anspruch, Kinder, Jugendliche und Familien individuell, fachlich fundiert und mit Blick auf das ganze Kind zu begleiten.

Im Netzwerk findest du Lerntherapeutinnen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, zum Beispiel LRS, Rechenschwäche, Englisch bei LRS, Lerntherapie in Schule und Ausbildung, Neurodivergenz, Psychologie und Supervision.

Auf unseren Blogs teilen wir Fachwissen, Erfahrungen aus der Praxis, hilfreiche Impulse für Eltern und Lehrkräfte sowie Einblicke in unsere Arbeit.

Schau gerne mal auf folgenden Blogs vorbei:

✔️ Pia Fest, Lerntherapeutin und Lehrerin
✔️ Nicole Gerbatsch, Lerntherapeutin und Supervisorin
✔️ Sabine Landua, Lerntherapie bei LRS und Rechenschwäche
✔️ Sarah Schnitzer, Lerntherapeutin und Psychologin
✔️ Susanne Seyfried, Lerntherapie vor Ort online und in der Schule
✔️ Sabine Walker, Lerntherapie, auch Englisch bei LRS

Du suchst einen qualifizierten Lerntherapeuten (hier geht es zu den freien Plätzen) oder möchtest mehr über unsere Arbeit erfahren? Dann lerne hier das Lerntherapeutennetzwerk und seine Mitglieder kennen.

Netzwerkmitglieder von hinten mit dem Logo des Netzwerkes auf den T-Shirts
Lerntherapeuten-Netzwerk on tour, unser Treffen in München, 2024

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